Der Irish Terrier - Eine gesunde Rasse

Häufig hört und hörte man von Besitzern eines Irish Terriers, dass ihr Hund den Tierarzt nur bei der jährlichen Impfung sieht. Der Irish Terrier kann als eine der gesündesten Hunderassen angesehen werden. Vielleicht liegt es daran, dass für die Terrier auf der grünen Insel allgemein die Bezeichnung Irische Terrier verwendet wurde und es demzufolge bis zur Festlegung des Standards in 1897 keine Einschränkung bei der Verpaarung gab. Einziges Kriterium war, dass der Hund die vielfältigen Bedürfnisse des Bauern optimal erfüllen sollte. Eine breite genetische Varianz war also möglich und sicher auch gegeben. Der Irish war Bewacher von Haus und Hof, musste Raubzeug verjagen und vernichten, wurde bei der Jagd zum Stöbern eingesetzt und war auch liebevoller Spielkamerad für Kinder. Er wurde nie für eine spezielle Arbeit gezüchtet und blieb ein Allrounder mit einer ausgewogenen Anatomie, die ohne extreme Attribute wie verkürzte Gliedmaßen, überlange Ohren, Kleinwuchs, weißes Fell usw. auskommt. Der Ire ist mit seiner mittleren Größe, seinen Körperproportionen und seinem funktionalen Fell ein recht ursprünglicher Kerl, der von seiner Konstitution noch recht nahe am Wolf ist. Wenn auch heute noch in den Medien propagiert wird, sich Hunde aus dem Tierheim, eben Mischlingshunde, zu kaufen, da diese gesünder seien, so mag das in Relation zu manchen Rassen zutreffen, wohl aber kaum zum Irish Terrier.

 

In manchen älteren Beschreibungen des Irish Terriers wird die Digitale Hyperkeratose, allgemein als „corny feet“ bezeichnet, als typische Krankheit genannt. Heute hat diese in Deutschland und in weiten Teilen der Welt keine Bedeutung mehr. Die Erkrankung an Digitaler Hyperkeratose tritt schon relativ zeitig auf. Hunde, die sowohl auf der Schau als auch bei der Zuchtzulassung Merkmale an den Ballen zeigten, waren Merkmalsträger und wurden nicht zur Zucht zugelassen. In Deutschland wurden beide Elterntiere von erkrankten Hunden aus der Zucht genommen. Seit 2005 ist kein weiterer Krankheitsfall in Deutschland bekannt geworden. Anfang 2014 wurde ein Genmarker für die Digitale Hyperkeratose gefunden. Bei der Zuchtzulassung muss jetzt der Nachweis vorgelegt werden, dass der Hund getestet wurde. Bei Anlageträgern muss der andere zur Anpaarung vorgesehene Hund frei sein, damit Nachkommen nicht erkranken. Werden zur Zucht vorgesehene Welpen oder Junghunde schon getestet, so kann der Züchter sich einen anlagefreien Hund auswählen. Würden weltweit alle Irish Terrier Züchter ihre Hunde entsprechend testen, könnte damit die Krankheit innerhalb einiger Jahre eliminiert werden.

 

Seit einigen Jahren beschäftigt die Züchter verstärkt die Cystinurie. Die Cystinurie ist eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung, die zur Bildung von Cystinsteinen in der Blase führt. Überschreiten die Steine eine gewisse Größe, tritt beim Rüden ein Verschluss der Harnröhre ein, der möglichst schnell vom Tierarzt operativ beseitigt werden muss. Bei dieser Operation empfiehlt es sich ebenfalls, den Rüden zu kastrieren. Im Falle der Irish scheint die Cystinurie an das Testosteron gekoppelt zu sein, denn bei dieser Rasse handelt es sich – anders als z.B. bei den Dalmatinern oder den Neufundländern – um Cystinurie des Typs 3. Während bei anderen Rassen der Erbgang geklärt werden konnte, scheint der Erbgang beim Irish komplex zu sein. Dass die Cystinurie jedoch genetisch bedingt ist, darüber sind sich die forschenden Experten einig – ansonsten wäre die Suche nach einem Genmarker auch sinnlos. Die Cystinurie wurde 1937 erstmals beim Irish Terrier beschrieben. Die Krankheit war aber in den Jahren danach nicht im Fokus der Züchter, weil es entweder nur eine geringe Anzahl an erkrankten Hunden gab oder die Krankheit nicht erkannt wurde. Da die Steinbildung bei manchen Irish Terriern häufig erst im 6. oder 7. Lebensjahr auftritt, mag früher die Erkrankung als erworben und nicht als durch Vererbung verursacht angesehen worden sein. Besitzer und auch Tierärzte waren zu wenig informiert, um richtig zu handeln, und so starben einige Hunde dann an „Niereninsuffizienz“. Um die Jahrtausendwende wurden weitere Fälle von Cystinurie bekannt.

 

Im Jahr 2005 wurde auf Initiative des Vorstandes des Fördervereins Irish Terrier ein Forschungsvorhaben gestartet, dessen Ziel es war, einen Genmarker für die Cystinurie zu finden. Da für andere Rassen bereits ein Genmarker für Cystinurie gefunden war, erklärte sich Prof. Giger von der Universität Pennsylvania bereit, diesen auch für die Irish Terrier zu finden. Blut- und Urinproben wurden von bekannten erkrankten Rüden sowie deren Eltern und Geschwistern gesammelt und nach Amerika geschickt. Das Vorhaben erwies sich jedoch als so komplex, dass auch nach mehreren Jahren der Forschung noch immer kein Ergebnis vorlag. Zur Zeit gibt es am Veterinärmedizinischen Institut der Universität Bern ein Forschungsvorhaben auf diesem Gebiet. Leider bis heute auch ohne Erfolg.

 

In den USA ist ein weiteres Forschungsvorhaben gestartet worden. An der University of Missouri wird mit finanzieller Unterstützung des American Kennel Club (AKC) ebenfalls an der Erforschung eines Genmarkers für Cystinurie gearbeitet.

 

Im Gegensatz zur Hyperkeratose sind wir bei der Cystinurie nicht in der Lage, Anlageträger zu identifizieren, es sei denn, sie haben bereits erkrankte Nachkommen. So stellt sich die Frage, ob mit diesen in Bezug auf Cystinurie „genkranken“ Hunden (ein irreführender, unsachlicher und diskriminierender Begriff, der für Anlageträger der Hyperkeratose kreiert wurde) weiter gezüchtet werden darf. Über dieses Thema muss in der nächsten Züchterversammlung ein Entschluss gefasst werden. Ebenso muss über den überproportionalen Einsatz vermeintlicher Spitzenrüden diskutiert werden, die sich im Nachhinein als Anlageträger herausgestellt haben. Hier benötigen wir – ähnlich wie in Skandinavien – eine vernünftige Regelung, um einem Popular Sire Effekt und einem genetischen Flaschenhals vorzubeugen.

 

In Ermangelung des Genmarkers für Cystinurie sind wir nicht in der Lage,  freie Hunde zu identifizieren und müssen daher darauf vertrauen, dass Besitzer von Deckrüden ehrlich darüber informieren, ob es Fälle von Cystinurie in der Nachzucht der Rüden gibt! Es ist wünschenswert, dass z.B. auf der Homepage des Fördervereins in einem geschützten Bereich für Mitglieder und Züchter eine Datei mit den Namen der erkrankten Hunde geführt wird, die nachweislich durch einen Tierarzt und einen Laborbefund bestätigt worden sein müssen, um Diskreditierungen und Diffamierungen vorzubeugen.

 

Unabhängig davon sollten Züchter ihre Welpenkäufer über Cystinurie, deren Auftreten, erforderliche Maßnahmen bei Erkrankung und prophylaktische Maßnahmen informieren. Dazu gibt es schon seit vielen Jahren beim Förderverein Irish Terrier entsprechendes Informationsmaterial. In diesem Zusammenhang ist es unverständlich, dass in Kenntnis der Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Cystinurie bei anderen Hunderassen, von Züchtern die genetisch bedingte Erkrankung an Cystinurie einiger Irish Terrier in Abrede gestellt und falsche Ernährung als Ursache genannt wird, wie z.B. BARF (dabei begünstigt eher Trockenfutter die Entstehung von Steinen, da es dem Körper mehr Wasser entzieht und so erstes Sediment, das zu Steinen führen kann, nicht gut ausgeschwemmt werden kann.)Diese Meinung wird dann als Faktum dargestellt, wohl nach dem Vers von Christian Morgenstern, „… dass nicht sein kann, was nicht sein darf“. Man kann sich nur kopfschüttelnd wundern, welche Motivation hinter solch einer bewussten Irreführung der interessierten Öffentlichkeit stecken mag.

 

An alle Züchter, die sich die Gesunderhaltung unserer geliebten Rasse auf die Fahnen geschrieben haben, sei appelliert, dass ausschließlich durch einen offenen und ehrlichen Umgang mit eigenen Fällen dieser Krankheit Einhalt geboten werden kann. Leider gibt es kaum eine Ahnentafel, die ohne CU-Fall oder ohne Anlageträger ist. Noch haben wir keine Rassekrankheit, denn dann müssten mindestens 10 % der Gesamtpopulation betroffen sein. Lassen wir es nicht soweit kommen!