Die bunte Irish Terrier Seite – Geschichten mit unseren Iren


Kunsthund Paula

 

Seit einigen Jahren begleite ich mein Frauchen in die Schule. Ein ‚Schulhund’ bin ich zwar nicht, aber dafür ein Hund in der Schule. Genauer gesagt ein ‚Kunsthund’, denn Frauchen bringt den Schülern und Schülerinnen Zeichnen, Malen und viele kreative Dinge bei.  

Meine Kollegen, die Schulhunde, haben eine längere Ausbildung hinter sich, die ich nicht habe. Die Direktorin meiner Schule liebt Hunde und züchtet Neufundländer - Riesenkerle! Weil die Chefin aber mein freundliches Irish Terrier-Wesen schätzt und meinem Charme verfallen ist, darf ich auch ohne Schulhund-Examen mit in den Kunstunterricht. Selbstverständlich muss ich topfit und entwurmt sein. 

Damit nichts schiefgeht, klärt Frauchen vor dem Start in jeder Klasse zwei Fragen: hat jemand eine Tierhaar-Allergie? Und: hat jemand Angst vor Hunden? Falls Eltern Bedenken haben sollten, darf ich auch nicht dabei sein. Wenn ich aber dabei bin, habe ich jede Menge zu tun: zunächst begrüße ich Jeden und die Schüler freuen sich immer riesig über mich. 

Mit mir macht ihnen die Schule einfach mehr Spaß! Und ein Schulhund ist immer noch eine kleine Attraktion – den hat nicht jede Schule und da kann man Freunden ruhig mal von erzählen. Manche Schulen bieten Schulhund-AGs an oder bekommen ab und zu Besuch von Hundeführern mit ihrem Schulhund, aber ich bin jede Woche an mindestens 3 Tagen dabei. In meinem Fall ist es ein großer Vorteil, dass Frauchen ausschließlich Kunst unterrichtet, denn dann können wir in den beiden Fachräumen mit Blick ins Atrium oder auf die Straße bleiben. So habe ich immer perfekt im Blick, wenn jemand meiner ‚Herde’ zu nahe kommt. 

Was macht eigentlich ein ‚Schulhund’? Da kommt häufig die Frage: Muss das sein – jetzt auch noch Tiere in der Schule? Die Erfahrung zeigt jedoch die positiven Effekte der ‚tiergestützen

 

Pädagogik’: 

- Seelentröster, Lernbegleiter, Ruhespender & Teil der Gemeinschaft 

Ist ein Schüler traurig, lasse ich mich gerne kraulen & verwöhnen. Den Lerngruppen wurde erklärt, dass Hunde sehr empfindlich auf Geräusche und zuviel Unruhe reagieren. Damit ich auch zur nächsten Stunde wieder mitgenommen werde, müssen alle Schüler daran arbeiten. Super!

 

- Sprach- und Leseförderung, Disziplin 

In Grundschulen werden Schulhunde sehr erfolgreich beim Lesenüben eingesetzt. Kinder mit Problemen sind entspannter, wenn sie dem Hund vorlesen dürfen. Das macht locker, weil der nie meckert – so wie manche zweibeinigen Lehrer! Und bei guter Leistung bekomme ICH ein Leckerli - nicht etwa der Schüler etwas zum Schnuckeln! Eine bessere & gesündere Motivation für die Schüler kann es nicht geben. 

 

- Schulhund-AGs, Fit mit Hund & Sicherheitstraining 

In AGs wird der Umgang mit Hunden oder Tieren im Allgemeinen trainiert. Ich zeige den Schülern, die Hunde nicht gewöhnt sind, wie’s geht. Das ist z.B. für Kinder mit Migrationshintergrund wichtig, denn in vielen Ländern haben die Menschen eine völlig andere Einstellung zu Tieren. Haustiere kennt man nicht, allenfalls Nutztiere. In Deutschland begegnen sie aber häufig Hunden. Wie man korrekt auf Hunde zugeht – oder besser nicht – wird auch geübt. Die Schüler lernen durch Beobachtung, wie meine Körpersprache ist. Möchte ich meine Ruhe oder möchte ich lieber spielen? Ganz wichtig: bin ich nach einer Weile von dem Gewusel und Gemurmel richtig müde, mache ich mittendrin ein Nickerchen & darf nicht gestört werden! 

 

- Vorurteilsfrei, freundlich und immer geduldig 

Nicht alle Schüler haben Freunde. Manche sind zu dick, manche zu dünn, zu schlau oder zu dumm. Das ist mir doch völlig egal! Diese Schüler sind glücklich, wenn ich mich ausgerechnet neben sie setze & ein paar Streicheleinheiten bekomme. 

 

- Entspannung und Motivation 

Mit mir erleben viele Schüler, dass Schule nicht nur Streß, Tests & Notendruck bedeutet. Nach 2 Stunden Mathearbeit wartet Paula im Werkraum – herrlich! Nicht nur die Schüler, auch das Kollegium wirkt in meiner Gesellschaft viel entspannter. Letztes Jahr habe ich auf die Abiturienten und Abiturientinnen in der Bibliothek gewartet, bevor sie ihre Noten für das mündliche Abitur bekamen. Meine Güte, waren die nervös! Das habe ich echt nicht verstanden! Egal – viele waren dankbar als sie mit mir schmusen durften und ich auch! 

 

- Konfliktmanagement & Gewaltprävention 

Ab und zu geht es schon einmal wild zu: im Gang oder auf dem Schulhof geht’s zur Sache! Gebrüll & Handgreiflichkeiten kann ich überhaupt nicht leiden und fahre dazwischen. Natürlich an der Leine, denn nur im Fachraum darf ich frei herumlaufen. Allein die Tatsache, dass da plötzlich ein Hund ist, sorgt für Ablenkung und Entspannung der Situation. ... und ist natürlich auch immer etwas respekteinflößend.

 

Aber was speziell macht eigentlich ein ‚Kunsthund’? Wie sieht mein Arbeits-Alltag aus? Pädagogisch werde ich im Fach ‚Bildende Kunst’ genauso eingesetzt, wie zuvor beschrieben. Aber manchmal denkt sich Frauchen auch Aufgaben aus, wo es genau um mich geht, einen Hund.

  

- Modell

Die Schüler dürfen mich abzeichnen, also Studien am lebenden Modell betreiben. Das eignet sich übrigens auch in Vertretungs-Stunden, die ab und zu vorkommen. Ich stehe oder sitze auf dem Pult, damit mich alle gut sehen können. Immer von der Seite, denn das ist einfacher als von vorne. ... wegen der ‚perspektivischen Verkürzung’, sagt Frauchen??? Frauchen erklärt dann weitere komplizierte Dinge wie ‚Proportionen’, ‚Anatomie’ oder ‚Farbschattierungen’. Außerdem zeichnet sie Schritt für Schritt an der Tafel, wie ein richtiger Irish aussieht. Die Schüler zeichnen mit, Schritt für Schritt. Manchmal darf ein Schüler auch zu mir kommen und vorsichtig tasten, wo meine Hüftknochen sind oder wie die Wirbelsäule verläuft.

 

Damit die Schüler auch andere Hunde abbilden lernen, dürfen sie Bilder von ihrem Hund mitbringen, falls sie einen besitzen. Oder von dem Traumhund, den sie sich schon immer wünschen. Ganz toll finden es die Schüler, wenn Frauchen die Sammlung von kleinen, naturgetreuen Hunden von zu Hause mitbringt: da gibt es Dalmatiner, Schäferhunde, Huskys, Mischlinge, und, und, und ... Auch die dürfen abgezeichnet werden. Das ist etwas einfacher, weil die ein bisschen stiller halten als ich!

 

Es entstanden schon sehr schöne Buntstift-Zeichnungen zum Thema ‚Hunde-Spaziergang’ oder ‚Hunde-Comics’. Die hat Frauchen gerahmt und im Schulflur aufgehängt.

Was haben die Schüler alles gelernt mit mir, dem Lebendmodell Paula? ... dass Hunde zwei Beine vorne und zwei hinten haben. Bisher hatten viele Schüler die vier Beine unter dem Körper verteilt. So könnte ich niemals laufen, geschweige denn springen! Die Rute sitzt nun endlich auch an der richtigen Stelle! Doch das wichtigste, was die Schüler lernen ist: sehen! ... richtig hinschauen, beobachten & koordinieren: Auge – Hand!

 

Als nächstes werden die etwas älteren Schüler mich auch als 3D-Modell benötigen. Dann werden sie eine Irish-Dame in Ton formen. Wau, das wird spannend!

 

- Koedukation 

Wer an Schule denkt, sollte nicht nur an die Schüler, sondern auch an die Lehrer denken. Hier bin ich Frauchen einfach ein super-Partner! Sie kann mich geschickt dort einsetzen, wo ich gebraucht werde. Okay, manchmal ist es schwierig, wenn Frauchen schwer bepackt ist mit dicker Tasche, Laptop, Materialien und mir am anderen Ende. In der großen Pause oder in den Freistunden gehen wir gemeinsam in den nahen Wald, damit ich auch mein Geschäft erledigen kann. Ich bleibe aber auch für kurze Zeit brav im Fach Raum und warte auf Frauchen, wenn sie einmal ‚wohin’ muss.

 

- Aufräumhilfe 

Wer am Ende der Doppelstunde prima aufräumt, darf z.B. mein Spielzeug verstecken oder mit zaudern. Das kommt super an und die Tische sind in Nullkommanix picobello. In Kunst ist das immer aufwändiger als in anderen Fächern. Hier wird natürlich gekleckst und geschmiert, gespitzt & radiert. Auch das muss gelernt werden: seinen Arbeitsplatz zu organisieren und nachher ordentlich zu hinterlassen. Da kann ich eigentlich selber etwas von den Schülern lernen ... Zu Hause verteile ich mein Lieblingsspielzeug und meine Knochen gerne großflächig in der kompletten Wohnung. 

 

Was ich aber super kann, ist Pantoffeln bringen! Doch davon beim nächsten Mal, Eure Paula


Also Irish Terrier Fans, ran an die Stifte, fertig, los ...


Ein Irish In der Schule

Im Wohnmobil auf Reisen

Urlaub an der Ostsee



EIN IRISH IN DER SCHULE

Unsere Tochter Julia sollte in der Schule ein Referat halten. Sie war im 4. Schuljahr und musste sich ein Thema ausdenken, das sie vor der Klasse vortragen sollte. Sie fragte mich, ob sie nicht mit unserem Irish Terrier Welpen zur Schule gehen könnte. Sie würde gerne über die verschiedenen Knochen von Hunden sprechen und den Kindern erklären, wie man bei einem Hund das Herz und den Puls fühlt. Ich fand es eine glänzende Idee. Unser Irish Terrier Rüde Ole war zwar zu diesem Zeitpunkt erst knapp 4 Monate alt, aber da musste er durch. Wir gingen dann morgens in die Schule. Julia mit ihrem großen Toni auf dem Rücken und Ole an der Leine. Ole stolzierte neben seinem kleinen Frauchen ganz souverän die Treppen des Schulgebäudes in den zweiten Stock. Kinder kamen auf uns zu und riefen voller Verzückung: „Ohhh, ist der aber niedlich, „ist der aber süß!“,  "Wie heißt der?" Ich hatte schon ein wenig Sorge, so viele Kinderhände und der kleine Hund. Immerhin bedeutet es für so einen kleinen Hund doch puren Stress und so war ich  immer auf dem Sprung, um den kleinen Irish zu retten. Aber gegen jegliche Sorge meinerseits, machte der kleine Kerl seine Sache außergewöhnlich gut. Julia stellte ihren Hund der Klasse vor und dann hopplahopp auf den Schultisch. Ich hängte ein Poster über das Thema Anatomie des Hundes, das ich noch von meiner Ausbildung als Hunde-Physiotherapeut hatte, an die Tafel. Ole müsste nun fast eine ganze Schulstunde still auf dem Tisch stehen. Ich war gespannt, ob das gut ging. 

Julia fing an zu erkläre, 13 Rippen mit einer freie Rippe, die Wirbelsäule, der Schädel, die Extremitäten vorne und hinten, das Sprunggelenk … die Kniescheibe, die man auch Patella nennt, ... die Widerristhöhe. Und dann zeigte sie den Kindern, wo man bei einem Hund das Herz findet. Ich war gespannt, wie sie es machte. Sie führte die Hand eines Kindes hinter dem linken Ellenbogen zum Brustbein und ließ das Kind das Herz fühlen. Ole blieb stehen. Er fand das lustig. Denn das Kind hatte so tolle Haare, wo man während dessen dran rum knabbern konnte. Dann zeigte Julia noch, an welcher Stelle man den Puls findet. Ein anderes Kind durfte an dieser Stelle fühlen, welche Julia ihm zwischen den zwei Muskeln, innen am Oberschenkel, zeigte. Die Kinder sprachen davon, wer alles einen Hund hätte und welche Kinder sogar Angst vor Hunden hatten. Es war eine muntere Diskussion, und Ole stand stolz auf seinem Platz auf dem Tisch und fand das alles sehr aufregend. Nach diesem Erlebnis mit unserem Irish Terrier war ganz klar, wir hatten noch nie einen Hund, der so ein stressfreies und ausgeglichenes Verhalten zu Kindern zeigte, wie unser Ole. Er war nun das Gesprächsthema in Julias Schule und ich war richtig stolz auf meine Tochter und auf den kleinen Irish Terrier Ole. Mittlerweile ist Ole sieben Jahre alt und hat viele Kinder und Enkelchen und ist schon lange nicht mehr aus unserer Familie wegzudenken.