Der KFT - Klub für Terrier veröffentlichte in der Ausgabe Juni 2019 einen wunderschönen Bericht von Petra Spielberg über das Thema " Urlaub mit dem Terrier". Es zeigt, wie unsere Iren immer mit dabei sein wollen und wie herzlich eine Beziehung mit einem Irish Terrier sein kann.  Vielen Dank an Petra Spielberg, die uns mit ihrem wunderschön geschriebenen Bericht den "Terrier" bereichert hat.

Urlaub endlich!

Mit dem wohligen Gefühl von Entspanntheit rolle ich mich auf die andere Seite. Wärme umgibt mich, das Plätschern der Wellen dringt an mein Ohr, Meeresgischt benetzt mein Gesicht. Meeresgischt? Moment! Langsam öffne ich ein Auge und erblicke nur wenige Zentimeter vor meiner Pupille den schwarzen Nasenschwamm meiner Irish - Hündin. Die Begeisterung darüber, mich mit wiederholten Niesattacken endlich wach "geküsst" zu haben, mäandert durch ihren Körper wie Meereswogen. Um die Freude über ihren Erfolg zu unterstreichen, wirft sie sich auf den Teppich und surft abwechselnd mit ihrer rechten und linken Barthälfte über den flauschigen Fasern.

Stöhnend werfe ich einen Blick auf meinen Reisewecker. Es ist kurz nach sechs Uhr morgens. So viel schon mal zum Thema Ausschlafen. Ergeben wälze ich mich aus dem Bett und schlüpfe in meine Sachen, um meiner Hündin die Möglichkeit zur morgendlichen Zeitungslektüre im nahegelegenen Waldstück zu geben. 

Urlaub mit einem Irish bedeutet vor allem eins - Bewegung. Egal ob Wandern, Joggen, am Rad mitlaufen oder herumtoben - ein Irish beherrscht die komplette motorische Palette und will entsprechend bespaßt und beschäftigt werden. Dinge, wie stundenlang am Strand herumzuliegen oder sich am Pool den Cocktail reichen zu lassen, sollte man als Besitzer eines Iren daher besser von seiner Urlaubsplanung streichen. Aber da ein Irish zu Hause auch nicht gerne den halben Tag auf der faulen Haut liegt, muss man sich im Urlaub nicht groß umstellen und ich kenne ehrlich gestanden keinen Irish Besitzer, der nicht selbst ein Bewegungsjunkie ist.

Die Iren haben zudem den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer Größe und - bei entsprechender Erziehung - auch dank ihres freundlichen  und sozialkompatiblen Wesens sowohl für eine Ferienwohnung als auch für ein Hotel- oder Pensionszimmer geeignet sind, was die Wahl des Urlaubsdomizils erleichtert. Ein ausgelasteter Ire ist zudem der zufriedenste und liebste Hund von der Welt, der es, wie jeder andere Hund auch, unendlich genießt, im Urlaub den ganzen Tag seine "Leute" um sich zu haben und ausgiebig gekrault, geknuddelt und verwöhnt zu werden.

Deshalb war meine erste gute Tat, noch vor dem Auspacken der Koffer, die Vermieter meiner Ferienwohnung nach einem Fahrradverleih, dem Hundestrand und Wanderwegen zu fragen. Entsprechend gut informiert machen wir uns schließlich nach einem ausgiebigen Frühstück zu unserem zweiten Erkundigungsgang auf den Weg. Während ich gemütlich über die Strandpromenade schlendere und die ersten Sonnenstrahlen genieße, erschnüffelt meine Irish-Dame interessiert die Botschaften ihrer Artgenossen, schließt Bekanntschaften oder macht - je nach Chemie- gleich deutlich, wer die neue Herrscherin der Insel ist. 

Am Hundestrand angekommen, reserviere ich uns einen Strandkorb. Nicht alle Ferienorte am Meer verfügen über diesen Luxus. Auf Usedom aber genießen auch Hundebesitzer das Privileg, nicht die ganze Zeit auf Augenhöhe mit ihren Vierbeinern im Sand liegen zu müssen. Ein Strandkorb hat zu dem den großen Vorteil, auch dem Hunde ein schattiges Eckchen gönnen zu können. Die meisten Iren liebes es zwar, eine Zeitlang in der Sonne zu baden und ihr goldenes Fell zu wärmen.  Allzu lange großer Hitze ausgesetzt zu sein, ist aber in der Regel nicht ihr Ding.

 

Gute gelaunt mache ich mich folglich daran, die Strandtasche auszupacken, die neben den wenigen Dingen, die ich für einen Tag am Meer benötige, auch die zahlreichen Strandutensilien für meine Irin beherbergt - als da wären, ein Napf, eine Dose Futter, eine Flasche mit frischem Trinkwasser, ein Ball, ein Hundefrisbee, Kotbeutelchen, ein eigenes Handtuch, Leckerchen … Nachdem ich alles soweit eingerichtet habe, schaue ich mich suchend um. Meine Irin ist verschwunden. Nein, doch nicht. Sie hat nur Gunst der Stunde genutzt, sich klammheimlich davon zu schleichen und tobt derweil an der Wasserkante ausgelassen mit einem Golden Retriever hinter einem Ball her. Dass sie dabei nasse Füße bekommt, ficht sich nicht an. Sie ist eine begeisterte Wasserratte, die für ihr Leben gerne schwimmt und auch einem Bad in den Wellen nicht abgeneigt ist - nicht unbedingt typisch für die Rasse.

Zurück am Strandkorb wird erst einmal das Territorium abgesteckt. Als aufmerksamer Wach - und Begleithund zieht meine Irish - Hündin umgehend eine unsichtbare Demarkationslinie um unsere "Burg"  und wehe dem, ein fremder Hund wagt es, seine Pfoten über die Grenze zu setzten. So vergeht unser erster Urlaubstag in einem  entspannten Wechsel zwischen Spielen, Ruhen und gemütlich Plaudereien mit anderen Hundebesitzern.

 

Am nächsten Tag steht eine Wanderung auf dem Programm. Hier zahlt sich die konsequente Erziehung meiner Irish - Hündin aus. Denn als selbstbewusster, selbst denkender, neugieriger und jagdgetriebener Hund neigt sie wie fast alle Iren dazu, sich auch schon mal selbstständig zu machen.  Und nichts kann man, gerade auch im Urlaub gebrauchen, als einen Hund, der sich auf Abwege begibt und mit wachsender Begeisterung Karnickel, Hasen oder anderem Getier hinterher jagt.  Schafft man es aber, einen Iren mit liebevoller Konsequenz, aber ohne Druck - denn da macht er schlicht zu - in seine "Schranken zu weisen" stehen auch ausgiebigen Wanderungen in Feld, Wald und Flur, nur über die unsichtbare Leine der Treue verbunden, nichts im Weg. Im Gegenteil: Dank seiner Ausdauer und seines sportlichen Naturells gilt für ihn das Motto, je länger, je besser, Hauptsache Spaß und Abwechslung. So durchstreifen wir also unter blitzblauem Himmel die Landschaft und ich erfreue mich an unserer Zweisamkeit und der Tatsache, auch noch für weitere  Tage dem Alltag zusammen mit meinem Irish entronnen zu sein.

Text: Petra Spielberg

Fotos: Petra Spielberg, Sabine Luxem